21. Mai 2018

Die Schule braucht pädagogische Autoritäten

Körperliche Übergriffe auf Lehrerinnen nehmen zu. Schuld sei der fehlende Respekt, sagen Experten. Doch liegt’s nur daran? Ein Plädoyer für pädagogische Autorität.
Das Klima in den Schulen werde rauer und der Umgang rüder, die Gewalt gegenüber Lehrpersonen steige, der zwischenmenschliche Anstand nehme ab. So mindestens diagnostizieren Fachleute die Situation. Sie verweisen auf Zahlen. Jede zweite Schule erlebte in den letzten fünf Jahren Verunglimpfungen und Mobbing gegenüber ihren Lehrkräften; in 26 Prozent der Schulen kam es während dieser Zeitspanne gar zu physischen Übergriffen. „Aggro-Schüler gehen auf junge Lehrer los“, stand kürzlich im Boulevard zu lesen.[1]
Wird die Schule zur Kampfarena? www.journal21.ch, 21.5. von Carl Bossard


Lehrerin verteidigt Steiner-Methoden

Die Gräben sind tief in Zwingen, seit die Öffentlichkeit über die anthroposophischen Methoden zweier Primarlehrerinnen Bescheid weiss. Bisher aber konnten die Medien nur ein einseitiges Bild vermitteln. Eltern, die sich über den Lernrückstand ihrer Kinder öffentlich beschwerten, sprachen ebenso freimütig wie die Lehrerin, welche den Unterricht bemängelte. Der kritisierte Schulleiter wollte sich bisher ebenso wenig äussern wie der Schulrat.
Unter Beschuss geratene Lehrerin verteidigt Steiner-Methoden, Schweiz am Wochenende, 19.5. von Leif Simonsen

20. Mai 2018

Kündigungswelle im Aargau

9 von 18 Lehrkräften an der Schule Buttwil haben gekündigt, darunter auch langjährige. Die Schulpflege wird bei der Aufarbeitung der Situation vom Departement Bildung, Sport und Kultur begleitet.
Kündigungswelle an der Schule: Die Hälfte der Lehrkräfte geht, Aargauer Zeitung, 19.5. von Eddy Schambron

Berührungen so wichtig wie Sauerstoff

Rico weint. Er hat sich geärgert. Und er sieht müde aus. Gemeinsam mit den anderen Zweijährigen im Kinderhaus Artergut tapst der dunkelhaarige Bub die Treppe hinunter, während ihm Tränen über die Wangen kullern. Eine der Betreuerinnen streckt die Hand nach Rico aus. Sie bietet ihm an, sich daran festzuhalten, und spricht beruhigend auf ihn ein. Auf den Arm nimmt sie ihn nicht. «Wir knuddeln keine Kinder», sagt Regula Keller, Geschäftsleiterin Kinderbetreuung bei der Stadt Zürich, «und selbstverständlich küssen wir sie auch nicht.»
Warum der Mensch unbedingt angefasst werden sollte, NZZaS, 20.5. von Nicole Althaus und Regula Freuler

Neue Kontrollprüfung in Solothurn

B, E, oder P? Die Lehrperson entscheidet, in welche Sek-Stufe das Schulkind kommt. Die Eltern können sich wehren und ihren Nachwuchs an die neue kantonale Kontrollprüfung schicken. Das ändert aber selten etwas.
Die Lehrer teilen zu, die Eltern können neu Einsprache erheben und eine Kontrollprüfung verlangen, Bild: Solothurner Zeitung
Kontrollprüfung, Solothurner Zeitung, 18.5. von Noëlle Karpf

Eltern beurteilen Lehrer

Zur Evaluation von Lehrern gehört auch eine strukturierte Rückmeldung der Eltern. Diese Vorgabe des Kantons Luzern wird von den Schulen sehr unterschiedlich umgesetzt – vom traditionellen Elterngespräch bis zu aufwendigen Umfragen.
Luzerner Eltern können bei der Beurteilung der Lehrer mitreden, Luzerner Zeitung, 19.5. von Gabriela Jordan

Basler Sprachentram

«Das Sprachentram – Le tram des langues» ist auf den Schienen. Es ist das rollende Ergebnis eines Austauschs zwischen insgesamt acht Klassen der Ecole primaire de Bourgfelden und der Primarschule Wasgenring in Basel.
Das Sprachentram fährt vom 25.- 31. Mai auf der Linie 3, Bild: Georgios Kefalas
Sprachen lernen leicht gemacht: Bald fährt das "Sprachentram" durch Basel, Basellandschaftliche Zeitung, 18.5.

19. Mai 2018

Wahlfreiheit zwischen Pfarrer und Lehrer

Seit dem vergangenen Sommer können die St. Galler Schüler wählen, ob sie das neue Fach «Ethik, Religion, Gemeinschaft» bei einem Lehrer oder bei einem Kirchenvertreter lernen wollen. St. Gallen hat diese Wahlfreiheit als einziger Kanton der Schweiz im Lehrplan 21 eingebaut. Das neue Fach ist die Fortsetzung des ehemaligen Religionsunterrichts. Die beiden Landeskirchen im Kanton haben um das Recht gekämpft, das Fach auch aus ihrer Sicht lehren zu dürfen.
St. Galler Schüler mögen es säkularisiert, SRF Regional, 17.5.

Motion zur Streichung der Schulchecks

An den baselstädtischen Primar- und Sekundarschulen sollen die Leistungschecks innert Jahresfrist ersatzlos gestrichen werden. Der Grosse Rat hat gestern eine breit getragene CVP-Motion mit dieser Forderung mit 50 gegen 40 Stimmen an die Regierung überwiesen.
Die Motion verweist auf eine im März 2017 deutlich verabschiedete Resolution von Lehrkräften aller Schulstufen mit der Forderung, die 2013 eingeführten Leistungs-Prüfungen abzuschaffen. Seither hatte Erziehungsdirektor Conradin Cramer einen der Checks für 2018 gestrichen, die anderen aber belassen.
Schulchecks künftig streichen, Basler Zeitung, 18.5.
Weniger Stress für Basler Schüler, Basellandschaftliche Zeitung, 17.5.

17. Mai 2018

Schaffhausen übernimmt sämtliche Kompetenzen des Lehrplans 21

Der Schaffhauser Erziehungsrat hat an seiner Sitzung vom Dienstag den Lehrplan 21 Kanton Schaffhausen formell verabschiedet. Damit habe er einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Einführung 2019/20 gesetzt, teilt der Kanton mit.

Meldepflicht bei schlecht integrierten Ausländern

Die Baselbieter Handschlagaffäre hat Folgen: Schulen müssen schlecht integrierte ausländische Schüler dem Kanton künftig melden. Der Landrat hat einer Änderung des Bildungsgesetzes überdeutlich zugestimmt.
Lehrer müssen respektlose Ausländer melden, Basler Zeitung, 17.5.

Basel verpasst Ziel bei Übertrittsquote

Die Umstellung des Basler Schulsystems führt dazu, dass die bereits vorher rekordhohe Gymnasialquote weiter steigt (die bz berichtete). 44,7 Prozent der 1376 Neuntklässler beginnen im Sommer das Gymnasium, nur sechs Prozent haben aktuell einen Lehrvertrag in der Tasche. 
Strengere Noten an der Sek, Basellandschaftliche Zeitung, 17.5. von Samuel Hufschmid

Isoliert mit einer Primarfremdsprache

Ist eine Fremdsprache genug auf der Primarstufe? Darüber entscheiden wir am 10. Juni an der Urne. In der aktuell geführten FremdsprachenDiskussion gibt es unterschiedliche Argumentationsweisen. Die einen sagen: «Je früher man mit Sprachenlernen beginnt, je besser erlernt man diese.» Die Gegenseite argumentiert: «Was man als Kind noch nicht gelernt hat, lernt man später um so schneller.» Beide Seiten versuchen, ihre Sichtweise mit unterschiedlichen Studien zu untermauern. Derzeit gibt es keine eindeutigen empirischen Belege, die eine Überforderung der Schülerinnen mit dem aktuell geltenden System mit zwei Fremdsprachen auf der Primarstufe ausweisen. 
Baselland riskiert, isoliert zu werden, Basellandschaftliche Zeitung, 17.5. von Lukas Flüeler

Überfördert und überfordert

Besonders fleissig und gute Noten – ein solches Kind ist der Traum mancher Eltern. Ist es zudem überdurchschnittlich intelligent, dann hat es beste Aussichten auf eine besonders erfolgreiche Bildungslaufbahn. Doch in vielen Fällen sind solche Kinder nicht hochbegabt, sondern Überleister. Überleister sind junge Menschen, die mehr leisten, als man von ihnen aufgrund ihrer intellektuellen Fähigkeiten erwartet.
Überfördert und überfordert, NZZ, 17.5. von Margrit Stamm

16. Mai 2018

Schweizerpsalm nicht im Solothurner Lehrplan 21

Roberto Conti (SVP) sagte, dass die Nationalhymne in Schulen verschiedener Kantone obligatorisch sei. Es sei jeweils peinlich, wenn Mitglieder Schweizer Nationalmannschaften den Text beim Abspielen nicht nachsingen könnten. Die Schweizer Nationalhymne habe im Gegensatz zu anderen Ländern keinen kriegerischen Text.
Erlernen der Nationalhymne wird nicht obligatorisch, Basler Zeitung, 16.5.

45 Prozent der Basler Schüler gehen ans Gymi

Waren es in den vergangenen fünf Jahren zwischen 35,3 und 38,3 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die ans Gymnasium gewechselt haben, sind es in diesem Jahr - beim ersten Übertritt nach der Schulharmonisierung - voraussichtlich 45 Prozent. Der Anstieg lasse sich mit objektiven Gründen nicht erklären, wie die Verantwortlichen des Erziehungsdepartements am Mittwoch vor den Medien sagten.
Künftig soll der Anteil der Schüler, die ans Gymnasium wechseln zwischen 35 und 40 Prozent liegen, Bild: BaZ
Schüler sollen tiefere Noten erhalten, Basler Zeitung, 16.5.
Jetzt ist es amtlich: Im nächsten Jahr geht fast jeder zweite Basler Neuntklässler ans Gym, Basellandschaftliche Zeitung, 16.5.

Überforderungs-Initiative der Starken Schule

Es dürfte eine der letzten Volksinitiativen der Starken Schule sein, über die am kommenden 10. Juni abgestimmt wird. Für die Überforderungs-Initiative, lanciert im Jahr 2015, als Urs Wüthrich (SP) eben erst an der Spitze der Baselbieter Bildungsdirektion von Monica Gschwind (FDP) abgelöst wurde, dürften aber die Erfolgschancen klein sein.
Es geht darum, den Englischunterricht von der Primarschule in die Sekundarschule zu verschieben – eine Forderung, über die bisher noch kein einziger Kanton in der Schweiz an der Urne abgestimmt hat. Die einst breit abgestützte Volksinitiative hat aber Anhänger verloren: Im Landrat wurde die Nein-Parole mit deutlichen 56 zu 18 Stimmen beschlossen – obwohl sich inzwischen abzeichnet, dass Frühenglisch nicht zu besseren Englischkenntnissen führt.
Englisch erst in der Sekundarschule? Basler Zeitung, 16.5. von Thomas Dähler

Urheberrecht: Regeln für die Schule

Das Schweizer Urheberrecht meint es gut mit den Lehrerinnen und Lehrern. Trotzdem gilt es Regeln zu beachten. Bei Urheberrechtsverletzungen drohen empfindliche Strafen.
Urheberrecht: Regeln für die Schule, Schulinfo Zug, 9.5. von Denise Buxtorf-Otter


15. Mai 2018

Problematische Informationspolitik der Schulbehörden

Als Journalist über heikle Schulthemen zu schreiben, erweist sich nicht selten als wahre Knacknuss. In der Regel stösst man auf eine Wand des Schweigens.
Das ist teilweise nachvollziehbar. Erstens dürfen Schulbehörden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und der Schutzpflicht gegenüber den Schülern keine detaillierten Auskünfte geben. Zweitens ist es verständlich, dass Schulen Probleme intern und nicht in der Öffentlichkeit bereinigen wollen.
Mobbing-Fall: Schweigen fördert das Vertrauen nicht, Aargauer Zeitung, 15.5. von Martin Rupf

Pulver nimmt Stellung zu den finanziellen Folgen von Frühfranzösisch

In einer Antwort auf eine als dringlich eingestufte Interpellation der Berner Grossrätin Sabina Geissbühler-Strupler (SVP) nennt der Regierungsrat Zahlen zu den Kosten von Frühfranzösisch.

Darin ist unter anderem folgendes zu entnehmen:

  • Die Kosten für Entwicklung und Produktion des Lehrmittels "Mille feuilles" betragen CHF 11 Mio.
  • Die Umschulungskurse auf die neue Didaktik kosteten bisher rund CHF 10 Mio.
  • Zwei Jahreswochenlektionen Französisch kosten pro Jahr CHF 4,4 Mio. an Gehältern.
Wenn man bedenkt, wie wenig nach vier Jahren Primarfranzösisch hängen bleibt, stellt sich die Frage nach dem Nutzen umso dringlicher. Die total 10 Jahreswochenlektionen kosten unter Berücksichtigung der obigen Angaben jährlich CHF 22 Mio. Dazu kommen jährlich die Beschaffungskosten für alle Schüler ab der 3. Primar - es handelt sich um Einweglehrmittel. (uk)

Die Gegner der Fremdspracheninitiative gehen in Stellung

Die Lia Rumantscha und Pro Grigioni Italiano stellen sich gegen die Fremdspracheninitiative. Die Initiative bringe für den Kanton zu viele Nachteile.
Graubünden als Exot der Schweiz, Südostschweiz, 15.5. von Corinne Raguth Tscharner

Unverhältnismässiger Zwang zu den Kantonssprachen in Graubünden

In den letzten Jahren stellte ich mehrere jüngere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus deutschsprachigen Gemeinden unseres Kantons ein. Sie leisteten ausgezeichnete Arbeit. Wegen fehlender Französischkenntnisse fielen aber mehrere an den entsprechenden Hochschulen durch. Sie mussten die Prüfungen wiederholen. Was ist das für eine Bündner Sprachregelung, welche unsere Bündner Jugend gegenüber allen anderen jungen Schweizerinnen und Schweizer derart diskriminiert? 
Südostschweiz, 12.5. Leserbrief von Gallus Cadonau

Problemfeld Hausaufgaben

Hausaufgaben sind in vielen Familien ein Streitthema. Oft leidet die Motivation der Kinder zusätzlich unter dem wiederkehrenden Konflikt rund um die Ufzgi. Dabei liessen sich viele Probleme vermeiden, weiss der Psychologe und Lerncoach Fabian Grolimund.
In vielen Familien gibt es nach der Schule Streit. Da wird genörgelt und geweint, um den ungeliebten Hausaufgaben zu entgehen. Der Stress am Schreibtisch kann das Familienklima vergiften und belastet viele Eltern: Über 90 Prozent der Mütter und Väter in der Schweiz helfen ihren Kindern regelmässig bei den Ufzgi, wie Studien zeigen. Begleiten statt einmischen, laute die Devise, sagt Fabian Grolimund, der mehrere Bücher zu den Themen Schule und Lernen geschrieben hat.
Immer diese Hausaufgaben, Coopzeitung, 15.5. 

Warum die Integration scheitert

Dieses ernüchternde Buch aus dem Alltag einer Frankfurter Hauptschule und über den Umgang mit eingewanderten Jugendlichen müsste zu einer Pflichtlektüre für Bildungs- und Sozialpolitiker werden. Allerdings ist damit zu rechnen, dass ihnen dann die wohlfeilen Sonntagsreden vom Aufstieg durch Bildung oder die Integration durch Bildung im Halse stecken blieben. Was Ingrid Freimuth, eine Diplom-Pädagogin, die später Lehramt für die Sekundarstufe I studierte und dann an einer Integrierten Gesamtschule, in der Lehrerausbildung sowie an Haupt- und Realschulen tätig war, aus 40 Jahren Berufsleben berichtet, ist harte Kost. Mangelnde Einblicke wird man der erfahrenen und engagierten Pädagogin, die am Ende ihrer Tätigkeit wie viele ihrer Kolleginnen und Kollegen mit einem Burnout in einer Klinik wieder aufgebaut werden musste, nicht vorwerfen können. Sie hat im Einzelunterricht für Schüler der sozialpädagogischen Lernhilfe und in Kursen an der Volkshochschule für Deutsch als Zweitsprache die unüberwindlichen Hindernisse bei der Integration miterlebt. Und sie hat darunter gelitten, dass sie mit kaum einem Außenstehenden, selbst mit guten Freunden nicht darüber reden konnte, weil ihre Äußerungen immer vorschnell als ausländerfeindlich oder rassistisch abgestempelt wurden. „Bis heute ist es aus Gründen politischer Korrektheit riskant, Unterschiede zwischen Menschen wahrzunehmen und zu beschreiben. Das Fremde als fremd zu erkennen und zu benennen ist nahezu tabu“, schreibt die Pädagogin.
Bild: Europa Verlag
Schonungslose Einblicke in den Schulalltag, FAZ, 15.5. von Heike Schmoll

Gewalt gegen Lehrer

Die Zahl verbaler und körperlicher Übergriffe auf Lehrpersonen nimmt in der Schweiz zu. Schuld sei vor allem der fehlende Respekt, sagen Experten.
Auf junge Lehrkräfte wird grosser Druck ausgeübt, Bild: Patrick Pleul
Aggro-Schüler gehen auf junge Lehrer los, 20 Minuten, 8.5. von D. Krähenbühl und S. Walder