26. Juli 2017

Homeschooling im Aargau immer beliebter

Die Zahl der Schüler, die weder in die öffentliche noch in private Schulen gehen, steigt seit Jahren stark an.
Quelle: SRF

Immer mehr Schüler werden zuhause unterrichtet, SRF Regional, 25.7.

Fragen an Urs Moser

Die standardisierten Leistungschecks riefen nach der ersten flächendeckenden Durchführung an den Primar- und Sekundarschulen im Bildungsraum Nordwestschweiz auf verschiedenen Ebenen Kritik hervor. In den Kantonen Baselland und Basel-Stadt sind bereits politische Vorstösse unterwegs, welche eine Reduktion der Checks fordern; die Konferenz der Lehrerinnen und Lehrer des Kantons Basel-Stadt forderte gar ihre Abschaffung. Wie interpretieren Sie diese breite Ablehnung?

Nachlese Inkompetenzkonferenz Frankfurt

Die 1. Inkompetenzkonferenz vom 7./8. Juni in Frankfurt/M. bot ein breites Spektrum von Kritikansätzen zur Kompetenzorientierung. Wir haben bereits auf den Festvortrag von Konrad Liessmann hingewiesen. Hier bieten wir noch ein paar Zückerchen aus den diversen Vorträgen. (uk)

Der Erziehungswissenschafter Andreas Gruschka (Goethe-Universität Frankfurt) kritisierte die Kompetenzdefinition von Weinert, die "wie eine Monstranz" hochgehalten werde. Ungeachtet vom Desaster werde so getan, als sei der Kompetenzfortschritt ersichtlich.

Andreas Gruschka: "Wenn die Reformer nicht wissen, was sie tun, wissen wir, was wir nicht tun dürfen", Bild: Urs Kalberer

25. Juli 2017

Emmen stellt Katholiken vor die Tür

Die Schülerzahl in Emmen steigt seit Jahren, der Platz in den Schulhäusern wird knapp. Die Gemeinde will Schulanlagen ausbauen, doch die neuen Gebäude können nicht vor 2019 bezogen werden. Hinzu kommt, dass der Lehrplan 21 auf der Primarstufe bis zu zwei zusätzliche Lektionen vorschreibt.
Schule hat keinen Platz mehr für Religion, Luzerner Zeitung, 24.7. von Beatrice Vogel

LCH fordert professionelle Begleitung von Junglehrern

Rund 3500 neue Kindergarten-, Primar- und Sekundarlehrer haben letztes Jahr ihr Diplom erhalten. Doch nicht alle werden lange vor einer Klasse stehen; etwa 700 steigen gar nicht in den Beruf ein oder bald wieder aus. Laut Bildungsbericht 2014 waren 17 Prozent der Absolventen fünf Jahre nach Abschluss der Ausbildung nicht mehr als Lehrer tätig, der Lehrerverband Schweiz rechnet mit 20 bis 30 Prozent.
Lehrerverband fordert mehr Unterstützung für Einsteiger, NZZaS, 23.7. von René Donzé

Fachleute fordern mildere Strafen für Pornografie

Das Video war für einen Kollegen bestimmt. Doch aus Versehen schickte es der Bub in den Gruppenchat seiner Klasse. Alle Mitschüler erhielten den Porno. Kein hartes Material, ein einfacher Sexfilm. Trotzdem musste der Elfjährige kürzlich vor dem Jugendstaatsanwalt antraben.
Schutz vor Pornografie macht Teenager zu Kriminellen, Tages Anzeiger, 22.7. von Roland Gamp

Solothurn will spezielle Förderung stärker verankern

Seit 2011 wird an den Solothurner Schulen die spezielle Förderung von Schülern mit Lernbeeinträchtigungen oder einer Verhaltensauffälligkeit im Rahmen des integrativen Unterrichts in der Regelschule umgesetzt. Zunächst als Schulversuch, 2018 läuft ein Beschluss aus, in dem der Regierungsrat 2014 die Rahmenbedingungen für die Gemeinden zur Organisation und Finanzierung der speziellen Förderung festlegte. Zusammen mit Vertretern der Einwohnergemeinden, Lehrerschaft und Schulleitungen präsentierte der Solothurner Bildungsdirektor Remo Ankli den Entwurf für eine Revision des Volksschulgesetzes, mit der die Bedingungen für die spezielle Förderung präzisiert werden.
Stärkere Stütze für schwächere Schüler, Basellandschaftliche Zeitung, 11.7. von Urs Moser

Thema Geld nicht ausblenden

Nicole Hauser unterrichtet in der Zürcher Gemeinde Wädenswil eine Abschlussklasse der Sekundarschule in der höchsten Leistungsstufe. Vor dem Eintritt in die Berufslehre erarbeiten die 15- bis 16-jährigen Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines klassenübergreifenden Schwerpunktes das Thema Geld. Ein Bestandteil des Pflichtprogramms wird das im Kanton Zürich und in vielen anderen Kantonen erst mit der Einführung des Lehrplans 21. «Es ist gut, dass der Umgang mit Geld thematisiert wird», sagt Nicole Hauser rückblickend auf ihre 17-jährige Tätigkeit als Lehrerin. 
"Die Schule darf das Thema Geld nicht ausblenden", Basellandschaftliche Zeitung, 13.7. von Daniel Zulauf

Bald Rekordschülerzahlen

Der oberste Bildungsforscher des Bundes prognostiziert bis 2025 Rekorde bei den Schülerzahlen. Angesichts des erwarteten Wachstums in einzelnen Kantonen von bis zu 20 Prozent und der Sparrunden herrschten seiner Ansicht nach bisher «himmlische Verhältnisse».
Schweizer Kantone steuern auf Rekordschülerzahlen zu, sda, 22.7.

Bundesgericht weist Lohnklage ab

Bei den Aargauer Primarlehrkräften besteht gemäss Bundesgericht keine geschlechtsspezifische Lohndiskriminierung. Die Richter haben die Beschwerde einer Primarlehrerin abgewiesen und so ein Urteil des kantonalen Verwaltungsgericht bestätigt.
Beschwerde abgewiesen, Basler Zeitung, 22.7.

Bern schloss 66 Schüler aus

Wie viele Schüler schweizweit von Disziplinarstrafen betroffen sind, ist nicht bekannt. Über detaillierte Daten verfügt der Kanton Bern. Dort schlossen Schulen im letzten Schuljahr 66 Schüler vorübergehend vom Unterricht aus – 45 davon auf Sekundarstufe. Insgesamt kehrten 28 Schüler wieder in ihre Klasse zurück, 17 mussten in einer Institution weiter unterrichtet werden. Die Gründe für den Ausschluss waren «massive Störung des Unterrichts», «Nichteinhaltung abgemachter Bedingungen», «Missachtung der Schulhausordnung» und «Bedrohung und Beleidigung und Mobbing anderer Kinder».
Quelle: 20 Minuten, 21.7.

Schulrecht statt Schulpflicht? Ausschluss von Problemschülern

Drogenkonsum in den Pausen, Gewalt im Schulzimmer oder die Verweigerung des Handschlags: «Die Grenzen des Tolerierbaren in der Schule werden zu oft überschritten», stellt die pensionierte Lehrerin Ulrike Pittner fest. In den meisten Fällen handle es sich um Jugendliche, die sich bewusst nicht an die Regeln hielten.
Wer ständig stört, soll von der Schule fliegen, 20 Minuten, 21.7.

Hohe Maturaquote ist kein Zeichen für Qualität

Mit­te Ju­li be­rich­te­te die BaZ ganz­sei­tig über einen gu­ten Jahr­gang in den sechs Bas­ler Gym­na­si­en, die mit ei­ner Er­folgs­quo­te von 98 Pro­zent 418 jun­gen Men­schen einen Ma­tur-Mei­len­stein ge­setzt hät­ten. Vor­erst be­glück­wün­sche ich al­le und wün­sche ih­nen viel Er­folg für die Fort­set­zung des Aus­bil­dungs­wegs. Aber als Ver­tre­ter der «Dis­mal Science»-Öko­no­mie kom­me ich nicht um­hin, die Fra­ge nach der Be­deu­tung die­ses Mei­len­steins auf­zu­wer­fen. So macht schon ein­mal die Er­folgs­quo­te von 98 Pro­zent stut­zig wie frü­her die Wahl­er­geb­nis­se in kom­mu­nis­ti­schen Län­dern mit ähn­li­chen Pro­zent­sät­zen. Ist das ei­ne ech­te Prü­fung, wenn 98 Pro­zent durch­kom­men? Gut, man kann ar­gu­men­tie­ren, dass die Un­be­gab­ten oder Un­wil­li­gen bes­ser schon frü­her aus­schei­den soll­ten, was si­cher in vie­len Fäl­len zu­trifft. Aber warum dann noch ei­ne Prü­fung, wenn so­wie­so al­le durch­kom­men? Das schürt nur falsche Er­war­tun­gen für kom­men­de Prü­fun­gen.
Matur = Meilenstein?, Basler Zeitung, 21.7. von Silvio Borner

Gesucht: Französischlehrer

Der Plan, Französisch aus der Primarstufe zu verbannen, erzürnte nicht nur den Bundesrat. Noch heute leiden Schulen darunter.
Der Sprachenstreit hat Folgen: Französischlehrer sind Mangelware, Aargauer Zeitung, 20.7. von Yannick Nock

21. Juli 2017

Wirkung des Französischunterrichts untersuchen

Die von Englisch in den Schatten gestellte Landessprache verdient in der Schule mehr Gegenliebe und Förderung.
Französisch braucht ein Lifting, NZZ, 21.7. von Walter Bernet

20. Juli 2017

Männer gesucht

Schulen haben auf tieferen Stufen Mühe, passende Lehrer zu finden. Jetzt sollen Männer in die Bresche springen.
Lehrermangel: Primarschulen suchen dringend Männer, Aargauer Zeitung, 20.7. von Yannick Nock

Master und mehr Lohn für Kindergärtnerinnen?

Wer in Zukunft die Ausbildung zum Primarlehrer oder zur Kindergärtnerin machen will, dürfte dafür mehr Zeit benötigen als bisher. Die Rektoren der pädagogischen Hochschulen erarbeiten derzeit ein neues Strategiepapier. Darin geht es um einen Ausbau des dreijährigen Bachelor-Studiengangs zu einem Masterstudium von viereinhalb bis fünf Jahren. «Die Anforderungen an die Schule nehmen zu, dem müssen wir Rechnung tragen», sagt kürzlich Hans-Rudolf Schärer, Präsident der pädagogischen Kammer beim Hochschulrektorenverband. Man wolle eine Diskussion anstossen. Die Verlängerung des Studiums würde auch den Kindergarten betreffen.
Wie sich die Neuerung auswirkt, darüber streiten sich die Experten. Höhere Hürden dürfte einige Interessenten abschrecken. Allerdings wertet ein Master das Studium auch auf, was zu mehr Lohn und mehr Anerkennung führt. Im Herbst soll das Strategiepapier vorgestellt werden. 
Quelle: Aargauer Zeitung, 20.7. von Yannick Nock

Die Volksschule muss lernleistungsfähig und attraktiv bleiben


Muss die Schule alles tun, tut sie nichts mehr richtig. Wer nicht unter den Bildungsreformen leiden will, weicht an Privatschulen aus. Das bedroht die Kohäsionskraft der Volksschule, meint Carl Bossard.
Den Volksschulen drohen die Kinder abhandenzukommen, NZZaS, 16.7. von Carl Bossard

Erfahrungen mit der Inklusion in Deutschland

Kinder mit oder ohne Behinderung sollen gemeinsam lernen – die Idee finden viele Eltern, Lehrer und Schüler in der Theorie richtig, in der Praxis sind sie jedoch enttäuscht. 2009 ratifizierte Deutschland nach langem Zögern die UN-Behindertenrechtskonvention und gab damit den Startschuss für die sogenannte Inklusion in den Schulen. Kinder mit Behinderung haben seither das Recht, eine Regelschule zu besuchen. Sie sollen nicht länger von der Gesellschaft isoliert werden. Doch Inklusion wirkt auf viele Betroffene eher als Sparkurs der Politik, denn als gelungene Förderung. Für das gemeinsame Lernen fehlen Fahrstühle, Rückzugsräume, Lehrer, Sonderpädagogen – und Zeit. In vielen Bundesländern haben sich Elterninitiativen gegründet, die mehr Geld für Inklusion fordern. Unterstützung bekommen sie dabei von den Lehrerverbänden. 
Ein Fahrstuhl, ein Raum, eine Kollegin, Zeit, 16.7. von Birk Grüling

Immer mehr Hochbegabte?

Das Kind im Kindergarten fragte, weshalb die Menschen in Israel mit den Palästinensern streiten. Ein anderes löcherte seine Mutter mit Fragen zur Kanalisation. Eine Vierjährige wollte alles über den Tod wissen und wünschte sich, eine Leiche zu sehen: Wenn kleine Kinder solche Fragen stellen, werden manche Eltern hellhörig – und landen zum Beispiel bei Ania Chumachenco. Die Psychologin testet in ihrer Zürcher Praxis­gemeinschaft Kinder auf Hochbegabung, in einzelnen Fällen schon Vier- und Fünfjährige.
Hochbegabte leiden schon im Kindergarten, Sonntagszeitung, 16.7. von Tina Huber

PH Zug will Fachdidaktiker fördern

Mit 800000 Franken fördert der Bund in den nächsten Jahren die Beteiligung der Pädagogischen Hochschule Zug an vier Projekten. Diese sollen vor allem der Nachwuchsförderung bei den Dozenten dienen.
Auf der Suche nach Fachdidaktikern, Luzerner Zeitung, 15.7.

Nichts Unnützes mehr!

Die folgenden Aufzeichnungen basieren auf meinen persönlichen Notizen anlässlich des Festvortrags von Prof. Dr. Konrad Liessmann, Philosophie, Universität Wien, gehalten am 7. Juli in Franfurt/Main.
Liessmann: "Tiefpunkt in der pädagoischen Literatur", Bild: Urs Kalberer

"Für nichts zuständig, zu manchem fähig und zu allem bereit: Kompetenzorientierung als Inkompetenz", von Konrad Paul Liessmann


Alternativen zu Fakten

Alternativen zu Fakten: Seit Pisa und Bologna setzt die deutsche Bildungspolitik auf Kompetenzen statt auf Bildung. Auf der ersten Inkompetenzkonferenz in Frankfurt formiert sich Widerstand.
Klären Sie Ihre Schreibabsicht, prüfen Sie Ihre Gefühle! FAZ, 12.7. von Thomas Thiel

Grosse Vielfalt an Integrationskonzepten

Die schulische Integration von Emigrantenkindern ist anspruchsvoll. Vermehrt kommen Kinder aus bildungsfernen Schichten aus Südeuropa in die Schweiz, wie ein Besuch in Wohlen zeigt.
Integration auf Südeuropäisch, NZZ, 15.7. von Jörg Krummenacher

Zemp fordert mehr Mittel für die Integration

Die Zuwanderung bildungsferner Familien schafft neue Probleme bei der schulischen Integration. Das sagt Lehrerverbandspräsident Beat Zemp im Interview.
"Scham und Zurückhaltung sind der Normalfall", NZZ, 15.7. Interview mit Beat Zemp von Jörg Krummenacher