24. Mai 2017

Jahre für die Umstellung

Das Zürcher Stimmvolk lehnt die Initiative für nur noch eine Fremdsprache an der Primarschule ab. Bildungsdirektorin Steiner ist erleichtert.
Nein zur Fremdspracheninitiative: "Hätten Jahre gebraucht, um den ganzen Apparat umzustellen", Limmattaler Zeitung, 22.5. von Matthias Scharrer

23. Mai 2017

Schüleraustausch gefordert

Die grünen Kantonsräte haben in der ersten Lesung einstimmig gegen Frühfranzösisch entschieden. Ihr Sprecher, der Sekundarlehrer Joe Brägger, fordert ein nationales Programm für den Schüleraustausch mit dem Welschland.
Brägger unterrichtet Französisch an einer Sekundarschule, Bild: Donato Caspari
Französischlehrer gegen Frühfranzösisch, Thurgauer Zeitung, 23.5. von Thomas Wunderlin

Lehrer fehlt politisches Gespür

Die Zürcher Lehrerschaft hat in der Fremdsprachenfrage eine Niederlage erlitten. Verantwortlich ist nicht das Image des Lehrerberufs, sondern der Mangel an politischem Gespür.
Die Lehrer als politische Verlierer, NZZ, 23.5. Kommentar von Walter Bernet

Kritik an integrativem Modell an der Oberstufe

Kaum eingeführt, wird das integrative Sek-Modell in Luzern zum Politikum. Ein Vorstoss fordert, dass die vier wichtigsten Fächer wieder nach Niveau getrennt unterrichtet werden.
Neues Oberstufen-Modell an Sekundarschule im Gegenwind, Luzerner Zeitung, 23.5. von Robert Knobel

Weniger dicke Kinder

Der positive Trend im Kampf gegen Übergewicht bei Kindern setzt sich fort. Zwar ist gemäss der Gesundheitsförderung Schweiz noch jedes sechste Kind übergewichtig, die Tendenz aber ist sinkend. Besonders im Kindergarten ist die Zahl der dicken Kinder zurückgegangen.
Schweizer Kinder weniger dick, SRF Puls, 22.5. von Daniel Forrer

Zemp zum Sprachenstreit

Die Zürcher Lehrerinnen und Lehrer wollten einen Systemwechsel: Nur noch eine Fremdsprache in der Primarschule, denn mit zwei Sprachen seien die jungen Schülerinnen und Schüler überfordert. Die Stimmbürger haben dem Ansinnen eine Absage erteilt und somit den eidgenössischen Sprachenkompromiss gerettet. Vorerst: Denn schon bald kommen in weiteren Deutschschweizer Kantonen Initiativen zur Abstimmung, die sich explizit gegen das Frühfranzösisch richten.

Wo steht die Lehrerschaft in der Sprachenfrage? Und warum werden ihr immer weitere Aufgaben aufgebürdet, die dazu führen, dass viele ihren Beruf frustriert an den Nagel hängen? Beat W. Zemp – seit über 25 Jahren Präsident des Schweizer Lehrer-Dachverbands – über die vielen Baustellen im Schweizer Bildungswesen.
Beat W. Zemp zum Sprachenstreit, SRF Tagesgespräch, 22.5. von Marc Lehmann

22. Mai 2017

Westschweizer Reaktionen zum Zürcher Fremdsprachen-Entscheid

Monika Maire-Hefti ist erleichtert. «Der Entscheid aus Zürich zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind», sagt die Neuenburger Staatsrätin, die der Regionalkonferenz der Westschweizer und Tessiner Bildungsdirektoren vorsteht. Es brauche kein Eingreifen des Bundesrates, sondern den Kantonen gelinge es selbst, den Sprachenkompromissumzusetzen. «Es braucht einfach Zeit.» Die Zürcherinnen und Zürcher hätten bewiesen, dass ihnen zwei Fremdsprachen in der Primarschule wichtig seien. «Das Resultat ist ein Bekenntnis zu den Minderheiten und zur Viersprachigkeit der Schweiz.»
"Merci aux Zurichois", NZZ, 22.5. von Andrea Kucera

Fremdsprachenunterricht kann verbessert werden

Die Fremdspracheninitiative hat nicht gezündet. Selbst in den kleinen, ländlichen Gemeinden im Osten und Norden des Kantons gelang es den Initianten nicht, grössere Mehrheiten für ihr Anliegen zu gewinnen, eine Fremdsprache auf die Sekundarschule zu verschieben. Das Ergebnis legt Zeugnis von einer erstaunlichen bildungspolitischen Stabilität im letzten Jahrzehnt ab, das von den grossen Volksschulreformen geprägt war. Es bewegt sich im Rahmen früherer Abstimmungen über das Volksschulgesetz, das Frühenglisch und das Harmos-Konkordat. Die Fremdsprachenfrage trifft offenbar weniger direkt ins Herz als etwa die Frage der Mundart im Kindergarten, des Handarbeits- oder des Religionsunterrichts.
Zürich wird nicht zur Insel, NZZ, 22.5. Kommentar von Walter Bernet

Botschaft nicht angekommen

Es bleibt beim geltenden Fremdsprachenkonzept in der Zürcher Volksschule. Die Erleichterung darüber ist namentlich in der Bildungsdirektion gross.
Die befürchtete Abschaffung des Frühenglischen zeigt Wirkung, NZZ, 22.5. von Walter Bernet

21. Mai 2017

Zürcher Lehrer fordern Evaluation der Fremdsprachen

Die Zürcher Primarschüler werden wie bisher Französisch und Englisch pauken. Das hat das Volk klar beschlossen. Die Lehrer und Bildungsdirektorin Steiner aber sind weiterhin im Clinch.

Streit um Fremdsprachen geht in Zürich weiter, Tages Anzeiger, 21.5. von Pascal Unternährer

Erleichterte Silvia Steiner

«Ich bin sehr erleichtert», sagt Silvia Steiner und führt aus: «Wäre die Initiative angenommen worden, wäre Einiges auf uns zugekommen.» Die Initiative hatte verlangt, dass die zweite Fremdsprache in der Zürcher Volksschule erst in der Sekundarstufe eingeführt wird – dafür mit mehr Lektionen. Der Schule sei dadurch eine erneute Reform erspart geblieben, ist Steiner überzeugt. Die Zürcher Stimmbevölkerung habe nun deutlich gezeigt, in welche Richtung es gehen solle.
Bekenntnis zu Französisch und Englisch an der Primarschule, SRF Regional, 21.5.
Gibt nicht auf: Lilo Lätzsch, SRF Regional, 21.5.

Ausserschulische Betreuung in Obwalden keine Pflicht

    Im Kanton Obwalden lehnten die Bürgerinnen und Bürger die Vorlage für eine ausserschulische Betreuung mit 58 Prozent ab. Die Gemeinden hätten eine Betreuungsmöglichkeit für Schulkinder anbieten müssen.
   Quelle: SRF Regional, 21.5.

   

Zürcher wollen zwei Primarfremdsprachen

Die Zürcher Initiative für eine Fremdsprache an der Primarschule wurde überraschend deutlich mit 61 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Damit ist die Taktik der Erziehungschefin Silvia Steiner aufgegangen: Sie hatte davor gewarnt, die Initiative anzunehmen, weil dann nämlich Englisch an die Oberstufe verschoben werde.
Kommentar von Urs Kalberer, 21.5.

SP und CVP erfreut über Solothurner Entscheid

SP freut sich über Nein zur «isolierten Solothurner Lösung»
Wie von den Solothurner Sozialdemokraten mitgeteilt wurde, nimmt die Partei erfreut zur Kenntnis, dass die Stimmbürger die Initiative «4Ja zu einer guten Volksschule ohne Lehrplan 21» abgelehnt haben. «In erster Linie ist es ein Nein zu einer isolierten Solothurner Lösung. In einer Zeit der mobilen und globalen Gesellschaft würde ein kantonseigener Bildungsplan die Schule in ihrer Entwicklung hindern und zusätzliche Kosten verursachen», so die Partei, «Die Solothurner Stimmbürger lehnen die Initiative ab, da sie der Schule schaden würde. Die Solothurner Schulkinder sollen nach einem Lehrplan unterrichtet werden, welche sie auf ein Leben in der heutigen Gesellschaft vorbereitet.»

Die CVP ist glücklich über «deutliches Nein des Souveräns»

Die CVP des Kantons Solothurn ist sehr erfreut über den deutlichen Entscheid des Souveräns für den Lehrplan 21, wie die Partei mitteilt. Sie argumentiert, dass die Annahme der Initiative «eine teure Einzellösung mit unsicherem Ausgang für den Kanton Solothurn bedeutet hätte.» Jetzt gilt es für die Partei, gute Rahmenbedingungen zur Umsetzung des Lehrplans zu schaffen, «so dass unsere Schülerinnen und Schüler im bestmöglichen Umfeld kompetenzorientiert auf das Leben vorbereitet werden können.» 

Quelle: Solothurner Zeitung, 21.5.

Solothurn schickt Lehrplan-21-Initiative bachab

Im Kanton Solothurn kann der Lehrplan 21 wie geplant eingeführt werden. Die Stimmberechtigten haben eine Volksinitiative deutlich verworfen, die den umstrittenen Lehrplan verhindern wollte. Fünf weitere Kantone hatten bislang ähnliche Begehren abgelehnt.
Solothurn sagt Ja zum Lehrplan 21: Stimmvolk schickt Initiative bachab, Solothurner Zeitung, 21.5.

Bildungspolitik als Planwirtschaft

Der Kinderarzt Remo Largo hat sein Lebenswerk mit einem Buch abgeschlossen, in dem er die Menschheit auffordert, wieder nach ihren Grundbedürfnissen zu leben. Was er vorschlägt, klingt nach Kommunismus.
"Immer mehr Menschen sind unglücklich", NZZ, 20.5. von Peer Teuwsen

Aargau muss sparen

Die Volksschule gehört zu den grössten Aufgabenbereichen des Kantons. Diverse, bereits erfolgte Sparmassnahmen wie die Erhöhung der minimalen Klassengrössen oder eine Kürzung des Wahlfachangebots haben seit 2015 dazu beigetragen, dass die Gesamtausgaben und die Pro-Kopf-Kosten wieder leicht gesunken sind. Dies hält die Regierung in einem Bericht an den Grossen Rat fest. Darin vertieft sie auch ihre Ideen für eine mittelfristige Haushaltsanierung. Zentrale Bestandteile sind mehrere Reformmodule, die mittelfristig den Haushalt um 80 bis 120 Millionen Franken entlasten sollen.
Aargauer Regierung will allein in Volksschule bis 25 Millionen sparen, Aargauer Zeitung, 19.5. von Mathias Küng

Schwächung des Geschichtsunterrichts

Die Schulen machen einen Fehler. Seit Jahren schwächen sie den Geschichtsunterricht–von der Volksschule bis zu den Universitäten. Überall wird abgebaut: Lektionen, Kurse, ja ganze Epochen verschwinden aus den Lehrplänen. Doch wer die Geschichte abwertet, verliert nicht nur das Wissen über die Vergangenheit, sondern auch den Blick für die Zukunft. Mit dem neuen Lehrplan 21 droht ein weiterer Abbau. Das Fach Geschichte verschmilzt mit anderen zur Rubrik «Räume, Zeiten, Gesellschaften». Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik werden gestärkt. Doch die Schulen müssen mehr leisten, als Kinder auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. 
Blind durch die Geschichte, Südostschweiz am Wochenende, 20.5. von Yannick Nock

Ungesunde Luft

Wenn die Schulstunden zum Gähnen sind, muss das nicht am Lehrer liegen. Oft ist es die muffige Luft, die Schüler in den Dämmermodus versetzt. In Schweizer Schulzimmern sind die Kinder und Jugendlichen vielfach einer zu hohen Belastung durch Kohlendioxid (CO2) ausgesetzt. Das zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmedizin in Baden, die im Auftrag des Schweizer Lehrerverbands (LCH) durchgeführt wurde.
Das haut die aufgewecktesten Schüler um, Sonntagszeitung, 21.5. von Nadja Pastega

Integration an der Praxis gescheitert

Die Idee, schwierige Schüler in normale Klassen zu integrieren, ist schön. Doch in vielen Schulen funktioniert sie nicht. Die anderen Kinder kommen zu kurz, die Lehrer sind überfordert. Der nächste grosse Bildungsstreit bahnt sich an.
Störenfriede raus, NZZaS, 21.5. von Anja Burri

Integrative Schule produziert mehr Verlierer als Gewinner

Es ist wie meistens, wenn es an den Schulen zu Problemen kommt: Die Lehrer sind überlastet und bitten um Hilfe. Und die Bildungsverantwortlichen entgegnen, es handle sich um Einzelfälle. Das Konzept sei gut, es gebe nichts daran zu rütteln. So war es im Fall der Fremdsprachen in der Primarschule. Und so ist es nun bei der integrativen Schule. Die Idee, dass behinderte und verhaltensauffällige Kinder nicht in speziellen Kleinklassen unterrichtet werden, sondern in der Regelklasse, ist gut gemeint. Sie berührt eine zentrale Frage unserer Gesellschaft, nämlich die, wie wir mit Menschen umgehen, die nicht der Norm entsprechen. Doch diese Idee überfordert die Schule, oder genauer: die Lehrer. Ein einzelner Schüler kann den Unterricht zerstören oder braucht zumindest so viel Aufmerksamkeit, dass alle anderen hinten anstehen müssen. Man müsse es nur richtig machen, finden darauf die Theoretiker. Natürlich, in einer perfekten Welt hätte man unbeschränkt Geld und Personal, um die beste Betreuung für jeden einzelnen Schüler zu gewährleisten. Doch die Welt ist nicht perfekt, das Geld für die Schule knapp. Das ist die Realität, und in dieser Realität gibt es in der integrativen Schule mehr Verlierer als Gewinner.
Die integrative Schule verheizt die Lehrer, NZZaS, 21.5.

Formfehler bei Handschlag-Affäre

Solche Urteile sind schwer verständlich: Zwei Schüler aus dem Dunstkreis muslimischer Sektierer verweigern einer Lehrerin frech und systematisch den Handschlag. Die Schule und die Behörden, die den pseudoreligiös begründeten Krawall im Klassenzimmer beenden wollen, brummen einem der Bengel eine Portion gemeinnützige Arbeit und einige Stunden Schulsozialarbeit auf. Doch auf dem Rechtsweg gibt es kein Durchkommen: Am Ende entgeht der Schüler nicht nur den Disziplinarmassnahmen, sondern er schafft es dank den Rechtsmitteln möglicherweise sogar, den rechtskräftigen Entscheid hinauszuzögern – und so der Lehrerin bis zum Ende der Schulzeit seine Verachtung zu zeigen. Zum Dank gibt's von der Beschwerdeinstanz 2000 Franken Parteientschädigung auf die Hand.
Peinlich - aber korrekt, NZZ, 20.5. Kommentar von Daniel Gerny

18. Mai 2017

Solothurn foutiert sich um Information zur Lehrplan-Abstimmung

Es mutet etwas seltsam an: Wer auf die Homepage des Kantons Solothurn, www.so.ch, geht, der findet dort im ersten und prominentesten Schaufenster der Homepage Informationen zum Lehrplan 21. Doch wer nun denkt, die Regierung informiere über die Abstimmung zum Lehrplan 21, die in einer Woche stattfindet, der irrt.
Kanton ignoriert Abstimmung, Schweiz am Wochenende, 13.5.

Angriff auf Landessprache schwächt Zusammenhalt

Wenn die Thurgauer nicht mehr gewillt sind,   Französisch zu lernen, so könnten wir Genfer uns   auch fragen, weshalb wir diesen Kanton noch   per Finanzausgleich unterstützen sollten.   
Angriff auf die Schweiz, Weltwoche, 18.5. von Antonio Hodgers

Bildung wird zusehends zentralistischer

Der Schweizer Föderalismus blutet, womöglich stärker als jedes andere Merkmal des Landes. Das scheint die Bürger kaum zu beunruhigen. In Gefahr sind so aber auch populärere helvetische Eigenheiten wie die direkte Demokratie. Von Marcel Amrein
«Wie kurzweilig ist es, dass es nicht einen eintönigen Schlag Schweizer, sondern dass es Zürcher und Berner, Unterwaldner und Neuenburger, Graubündner und Basler gibt, und sogar zweierlei Basler!»
Föderalismus auf der Schlachtbank, NZZ, 18.5. von Marcel Amrein